Tag 9 & 10: Nikola wird’s richten

Aufgrund des gestrigen Kilometerrekords steigen wir heute hochmotiviert aus dem Bett und pinseln unser erstes multilinguales Anhalterschild mit kyrillischen Buchstaben und Anhängerkupplungs-Piktogramm. So richtig scheint das neue Konzept aber nicht aufzugehen: Obwohl alle befragten Serben das Schild für super befinden, hält niemand für uns an.

Wir sehen ein, dass wir noch ein bisschen länger in Serbien verweilen werden und beschließen uns zunächst bei der Polizei zu registrieren, wie es in diesem Land vorgeschrieben ist. Für die meisten Touristen wird dies automatisch vom Hotel übernommen, wir jedoch müssen innerhalb von 24 Stunden bei einer Polizeistation vorbeischauen. Als wir dort ankommen, weißt uns ein freundlicher, Englisch sprechender Passant den Weg zur düsteren Rezeption. Wenig sagt eindrücklicher „Willkommen in Serbien“ als der übel nach Urin riechende Gang mit kaum kontinuierlich funktionierender Deckenbeleuchtung. Dort weiß man jedoch nicht, wie man uns registrieren soll. Offenbar ist eine Autobahnraststätte kein ordinäres Domizil. Das Gespräch dreht sich bereits im Kreis, als wir beschließen, einfach das günstigste Hostel für eine Nacht zu buchen. Eine Taxifahrt und 10€ später haben wir zwei Betten, die wir jedoch nie zu Gesicht bekommen, denn als man uns hinführen will, verabschieden wir uns bereits wieder höflich.

Zurück an unserem illegalen Zweitwohnsitz geben wir nochmal alles, aber niemand mag uns mitnehmen. Obgleich wir jeden Tag reich mit Lebensmitteln beschenkt werden, finden wir immer weniger Autos, die für uns anhalten. So geht es nach einem großen Topf Guacamole ein weiteres Mal im vertrauten Schein der Tankstelle ins Bett. Ob es wohl an der ausgiebigen Katzenwäsche am Morgen lag? Wir wären ja bereit, Opfer zu bringen …

Am nächsten Tag bemerkt Nikola unsere Absichten. Zunächst ist er der Überzeugung, dass dieses Unterfangen nicht funktionieren kann, aber dann schließt er sich unserem Wartespiel an. Eine gute Stunde deutet er für uns Nummernschilder und spricht mit Fahrern – ohne Erfolg. Er hat aber noch ein Ass im Ärmel: Nach ein paar Anrufen hat er einen Trucker seines Unternehmens für den nächsten Morgen organisiert. Bis dahin sollen wir aber von Belgrad noch was sehen. Mit ihm fahren wir in die Innenstadt, essen Pizza und genießen den Ausblick auf die Donau wie schon vor zwei Jahren.

Zurück an der Raststätte sind wir von der Hoffnung auf den nächsten Tag euphorisiert und schmeißen noch einmal alles in die Waagschale. Es hilft nichts. Morgen muss Nikola es richten. Ob das klappt?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s