Tag 11 & 12: Das Land von Milch und Honig

Nikola hat sein Versprechen eingelöst! Noch vor der vereinbarten Zeit – gähnend legen wir gerade das Bettdeck zusammen – taucht Nikolas Fahrer auf und kuppelt uns an. Schaulustig hat sich auch ein Taxifahrer eingefunden, den wir gestern kennengelernt haben. Er ist nur gekommen, um uns nochmal zu sehen. Wir fühlen uns geehrt. Und überglücklich, endlich vom Fleck zu kommen.

Unser Fahrer spricht leider kein Wort Deutsch oder Englisch und so kennt er jetzt vermutlich unsere, wir aber nicht seinen Namen. Die Fahrt ist also sehr ruhig, gar nicht so unangenehm am frühen Morgen. Es gelingt uns schließlich herauszufinden, wo uns der namenloser Fahrer absetzen wird. Die Raststätte ist klein und weder an der Tankstelle noch im Restaurant funktionieren die Toiletten. So muss ein Wasserhahn am Rand der Raststätte für die Morgendusche herhalten.

Heute scheint unser Erfolg mitgenommen zu werden weniger stark von unseren Werbeaktivitäten abzuhängen als noch zuvor. Der Fahrer des Autos direkt neben uns, dessen Anhängerkupplung wir schon länger sabbernd betrachten, spricht uns in gebrochenem Deutsch an. Er arbeitet für das serbische ADAC-Äquivalent und kann uns zwei Raststätten weiter bringen.

Die nächste Raststätte ist viel größer, aber ebenso wenig stark frequentiert. Unsere neue Taktik hoher Inaktivität geht wieder auf: Goran erkundigt sich zunächst beim Tankwart über uns und bringt uns dann zu einer OMV-Tankstelle 50 km weiter.

Mehrfach in den letzten Tagen haben wir den serbischen Pro-Tipp erhalten, uns auf OMV-Tankstellen absetzen zu lassen. Ausländer auf der Durchreise würden diese gegenüber denen des einheimischen Anbieters NIS bevorzugen. Ob das zu unserem Vorteil ist, wird sich noch zeigen,
denn die Autos der Reisenden sind meist brechend voll.

Wie überall stoßen wir auch hier auf Begeisterung und kommen regelmäßig ins Gespräch. Nemanja, ein serbischer Webentwickler, ist überenthusiastisch und überlegt, wie er uns trotz fehlender Anhängerkupplung mitnehmen könnte. Wir mögen die Idee, die Abschleppvorrichtung seines Autos zu verwenden, eine leicht dezentral angebrachte Öse für ein Abschleppseil. Wir mögen allerdings auch unseren Wohnwagen und lehnen sein Angebot dankend ab. Vielleicht nehmen wir ein weiteres Angebot, ihn in der nächsten Stadt zu besuchen, ja noch an. Er versorgt uns noch mit Merchandise seiner Firma und fährt dann traurig weiter.

Das Warten verkürzen wir uns mit „Father Brown“-Hörspielen. Die externen Lautsprecher müssen wir dabei auf Maximum stellen, weil nah bei uns stehende Kühllaster ihre Generatoren volle Pulle laufen lassen. Trotzdem ist es hier alles in allem leiser als auf anderen Raststätten, dank größerer Entfernung zur Autobahn. Auch ansonsten ist es die OMV-Raststätte, an der Milch und Honig fließen: eine saubere, kostenlose Dusche, ordentliche Toiletten und ein klimatisiertes Bistro. Wir wollen hier gar nicht mehr weg! Das gelingt uns auch praktischerweise, die Dusche könnte Einfluss darauf gehabt haben.

Am nächsten Morgen ist der Himmel grau. Darüber sind wir nach den vergangenen Tagen in der prallen Sonne wirklich dankbar. Es kühlt weiter ab, als ein Gewitter aufzieht. Während die ersten Blitze über den Himmel zucken, googlen wir hektisch die Leitfähigkeit von Aluminium. Sie ist sehr hoch, aber nicht so hoch wie unsere Faulheit – die Fahnenstange bleibt draußen.

Am Nachmittag treffen wir einen weiteren Tramper: Ivan ist in die gleiche Richtung unterwegs und gestern in Chamonix gestartet – das Leben könnte so einfach sein ohne Wohnwagen! Bei einem Bier tauschen wir uns über unsere Erfahrungen aus. Dabei hält Georg auch für Ivan den Daumen heraus – das Bier noch in der anderen Hand. Bereits Auto Nummer drei hält an – natürlich gibt’s keine Anhängerkupplung. Schwupps ist Ivan wieder weg. Ja, das Leben könnte so einfach sein.

Als wir abends bereits gemütlich drin sitzen und schauen, wie die Schweiz Serbien vermöbelt, klopft der serbische ADAC an die Scheibe. Wo denn eigentlich unser Auto sei? Die Antwort ruft wie immer ein lautes Lachen hervor. Wenn wir irgendwas bräuchten, sollten wir einfach anrufen. Wer weiß, machen wir vielleicht noch…

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