Tag 5 & 6: Rudi wird’s richten

Irgendwie stinkt es auf dieser Raststätte. Der Geruch scheint seine Quelle in unmittelbarer Nähe unseres Wohnwagens zu haben. Wir umrunden den Wohnwagen ohne Ergebnis. Um dem Geruch aus dem Weg zu gehen, parken wir um, auch ergebnislos. Nach kurzem Nachdenken haben wir einen Geistesblitz: Wir sind es, die nach vier Tagen ohne Dusche eine Geruchsbelästigung darstellen. Erst die Sanitäranlagen in der Raststätte verschaffen die benötigte Abhilfe und erhöhen vermutlich die Wahrscheinlichkeit, mitgenommen zu werden.

Es ist bereits später Morgen und unsere Motivation ist … mittelhoch. Als Etappenziel für heute haben wir uns Ljubljana auserkoren. Allerdings wissen wir: Heute Abend könnte uns Rudi, der zwischendurch nochmal in Finnland war, auf dem Weg nach Hause dorthin mitnehmen. Zunächst ist daher unser Versuch, eine Mitfahrgelegenheit zu finden, halbherzig.

Erst nach einer kleinen Stärkung beginnen wir damit, uns zu bemühen. Ohne Erfolg. Halb so schlimm, „Rudi wird’s richten“, denken wir uns zur Beruhigung und fangen erstmal an zu kochen. Wir nehmen uns viel Zeit, heute soll Chili auf den Tisch kommen und sicherheitshalber machen wir für Rudi gleich eine Portion mit. Wir schmatzen bereits glücklich, da kommt der Anruf: Rudi hat einen unerwarteten Geschäftstermin und muss eine andere Route nehmen. Ohje, soll der Tag wirklich ohne einen einzigen Kilometer vorübergehen?

Wir hängen uns nochmal richtig rein, aber als es dämmert, da dämmert es auch uns – Heidi hat heute kein Foto für uns. Und wir kein solches für eine Mitfahrgelegenheit. Hätten wir uns heute Mittag nur mehr angestrengt! Um die Stimmung aufzuhellen, packen wir unsere Gitarre aus und trällern einige Klassiker. Unsere „Künste“ scheinen die Touristen aus dem eben vorgefahrenen Fernbus noch weiter abzuschrecken. Die plärrige 29€ Einweg-Gitarre ist dafür wohl nur teilweise ursächlich. Unsere Darbietung bildet dabei nicht nur musikalisch den Tiefpunkt des Tages. Ernüchtert, aber nicht nüchtern, fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen werden wir von der Unterhaltung unserer Nachbarn geweckt – es geht um uns. Noch gähnend und augenreibend treten wir aus dem Wohnwagen und werden von leuchtend orangenen T-Shirts und Kaffeegeruch begrüßt. Mitglieder der Friedensflotte, ein gemeinnütziger Verein, der die größten sozialen Segelprojekte ausrichtet, scharen sich bereits um uns. Auch sie sind nach Ljubljana unterwegs, haben aber nur noch einen Platz an Bord. Dafür werden wir ausgiebig mit Croissants und Kaffee verpflegt.

Wir ergreifen die Gelegenheit beim Schopf: Christian fährt mit Wohnwagen und Friedensflotte vor, Georg trampt hinterher. Hoffentlich ist diese Idee nicht zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Während Christian sich also mit seinen Mitfahrern vergnügt, begnügt sich Georg mit Gefällt-mir-Yoga. Während Christian sein zweites Croissant mampft, fragt er sich, ob Georg wohl eine Zahnbürste dabei hat. Bei dem ist nämlich wegen vollbeladener Touriautos Frust angesagt. Fatalistisch mampft Christian sein drittes Croissant.

Schließlich wird auch Georgs Tag versüßt: Katrin, Lisa und Django gabeln ihn auf. In Ljubljana stellen sie fest, dass Georg doch nicht geistig verwirrt ist: Dort wartet tatsächlich bereits ein Wohnwagen. Das Sahnehäubchen bilden heute Claudia und Bernie, die uns beiden einen Streckenrekord servieren: Erst in Zagreb endet der Tag – zur Feier gibt’s Rührei mit Toast!

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2 Kommentare

  1. Stefan · Juni 16

    Ihr 2 seid einfach großartig!
    Ich finde eure Idee, so zu verreisen einen Hammer und ich wünsche euch alles Gute und einen sicheren Trip.
    LG Stefan (Der Trucker von Eben)

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    • donaufahrt · Juni 17

      Vielen Dank, war ein toller Abend mit euch!

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