Tag 3 & 4: Spiel mir das Lied vom Caravan

Wir sind noch immer auf der Autobahnraststätte in Sinsheim. Steppenläufer aus Toilettenpapier und Plastiktüten, angetrieben von badischen Winden, wehen über den verlassenen Rastplatz und jene Winde blasen uns den Feinstaub der nahen Autobahn in die Augen. Es erklingt die Melodie aus „Spiel mir ein Lied vom Tod“. So oder so ähnlich fühlen wir uns jedenfalls hier.

Wir müssen Mitleid erregen. Der Tankstellenbetreiber (?), dem wir gestern schon aufgefallen sind, kündigt an, uns morgen zumindest ein Stückchen weiter zu bringen, falls wir dann immer noch da sein sollten. Die Hoffnung auf ein nahes Ende des Wartens motiviert uns weiterzumachen.

Christians rechter Fuß ist bereits leicht taub vom langen einseitigen Stehen, als Daniel auf seinem blauen T3 einreitet. Er ist der Held dieses Autobahnraststätten-Westerns. Genau eine Raststätte kann er uns mitnehmen. Überglücklich überlegen wir keine Sekunde. Bloß weg hier! In Daniels T3 überholen wir, dank neuem Motor, einen riesigen LKW-Stau.

Auf der nächsten Raststätte geht es wieder gut. Nach einer Reihe von Angeboten zur Mitfahrt, leider ohne Anhängerkupplung, gabelt uns Nancy auf. Sie hat keine Erfahrung mit Trampern, aber findet uns nett und unsere Reiseart verrückt. Nur Fotos mag sie nicht, auch wenn wir nicht verstehen, warum. Wieder machen wir einen kleinen Hüpfer in die richtige Richtung.

Genug von den kleinen Hüpfern, denken wir uns. Jetzt könnte es doch auch mal etwas weiter gehen. Wir rufen den Gott der Anhalter an, opfern ihm Bier und Salami, um ihn gnädig zu stimmen. Siehe da, es klappt! Christoph ist unsere 6,50m Fahnenstange ins Auge gestochen. Er fährt ins Allgäu und nimmt sogar noch einen kleinen Umweg in Kauf, mit ihm fahren wir bis nach Ulm.

Fast noch besser treffen wir es am nächsten Morgen mit Rudi. Er nimmt uns nicht nur von Ulm nach München mit, sondern bietet uns für den nächsten Tag die Mitfahrt nach Ljubljana an, für die er einen großen Umweg machen würde. Wir sind hin- und hergerissen: Sollen wir in München einfach warten, bis er wiederkommt. Es wäre so einfach!

Nein! Unser Tramperehrgeiz verbietet uns das. Wir können Rudi schließlich auch noch kontaktieren, wenn wir zwischen München und Ljubljana irgendwo hängen bleiben. Also weiter geht’s: Fahne raus und Daumen hoch!

Es dauert eine Weile. Aber warten können wir. Mittlerweile haben wir großes Vertrauen darin, dass es bald weitergeht. So ist es auch, als Ferdi uns aufgabelt und bis kurz vor die österreichische Grenze bringt. Dort gehen wir nochmal sicher bezüglich Maut: der Tankwart kann uns bestätigen, dass nur das Zugfahrzeug eine Vignette braucht.

Da der Trampergott bereits gnädig gestimmt ist, hält nach kurzer Zeit Florian an. Als Werbetexter für McDonald’s überlegt er kurz, Fotos von uns vor dem nächsten Schnellrestaurant zu machen. Hätte er nicht in den Urlaub gewollt, wer weiß, vielleicht gäbe es bald den CaraMac. Ein Burger mit einem riesigen Patty aus Kamelfleisch, zwei Chicken Nuggets und einem Häkchen, um ihn abzuschleppen. Hmmm!

Bei Landzeit Eben, wo Florian uns absetzt, sind wir gleich umringt von begeisterten Truckern. Stefan und Günther laden uns an ihren Campingtisch ein und versorgen uns mit Speck, Rotwein und Grappa. Die beiden wissen, wie man lebt! Und Günther findet den Wohnwagen so cool, dass er überlegt, ihn im Iran abzuholen. In 6 Wochen wissen wir mehr.

Unser Resümee nach vier Tagen könnte positiver nicht sein: Mit 9 Mitfahrgelegenheiten haben wir die Distanz nach Teheran von 4780km auf 4140km verkürzt. Danke an alle – fürs Mitnehmen und vor allem eure tolle Gesellschaft!

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