Tag 1 & 2: Können wir das schaffen?

Alle Vorbereitungen sind getroffen, heute ist der große Tag, an dem wir es wissen wollen – can we caravan? Wir stehen an der Kohlenstraße in Kassel und halten zum ersten Mal den Daumen heraus. Die Autos rasen an uns vorbei und übertönen noch das laute Brummen unseres Generators, der die Batterie lädt. Wir überschlagen: Wenn wir jeden Tag 5 Stunden den Daumen heraushalten, die nächsten 6 Wochen, dann sind das über 200 Stunden Warten – reisen mit der Deutschen Bahn erscheint plötzlich ungewohnt attraktiv.

Es ist gerade einen Monat her, dass wir uns durch die deutschlandweiten Anzeigen für Wohnwagen klicken und uns ein Modell ins Auge springt. Ein Hymer Eriba „Pan Familia“, stolze 32 Jahre alt, aber federleichte 750kg zulässige Gesamtmasse und so mit jedem B-Führerschein zu fahren. Perfekt, ein Kühlschrank stellt das Bier kalt und ein Gaskocher ist zumindest ein guter Anfang, um Christians Bärenhunger zu bändigen. Kurzum: Es ist Liebe auf den ersten Blick und wir schleppen unsere neue Bekanntschaft direkt zu uns nach Hause ab. Die spontane House-Warming-Party wird zum vollen Erfolg, denn hier muss keiner alleine schlafen gehen…

Die nächsten Wochen beschäftigen wir uns mit den bereits in vorherigen Jahren eskalierten Einkäufen überlebensnotwendiger Ausrüstung: Wie sollen wir die nächsten Wochen ohne portablen Beamer durchstehen? Sind sechs Meter Fahnenstange wirklich groß genug um gesehen zu werden? Und reicht die Helligkeit der USB-Diskokugel aus? So richten wir uns gemütlich in unserer neuen Zweitwohnung ein, rüsten Batterie, USB-Anschlüsse und Generator nach und dekorieren den Wohnwagen äußerlich im Corporate Design des Urlaubs.

Und dann geht alles plötzlich ganz schnell. Also mit etwa 2km/h, denn wir müssen den Wohnwagen von seinem Parkplatz noch selbst an die nächste größere Straße ziehen. Dort befindet sich praktischerweise auch ein Lidl. Da wir der großen wilden Welt da draußen kein Stückchen Vertrauen schenken, beschließen wir direkt Essensrationen für die nächsten 3 Wochen einzukaufen – und sind selbst überrascht, dass das alles in unseren kleinen Eriba passt.

Beim Einräumen haben wir unseren ersten Glücksmoment. Eine junge Iranerin hat unser beiseite gelegtes Schild gesehen, auf das wir übermütig bereits „Teheran“ geschrieben haben. Sie ist begeistert von unserem Projekt und gibt uns Kontaktdaten, an die wir uns am Ziel wenden können.

Die Flagge ist gehisst, die Campingstühle aufgestellt und wir warten sehnsüchtig auf das erste anhaltende Auto, das uns auf die A7 bringt. Eine Menge Leute kommen und fragen uns aus – wie seien wir denn auf so eine Idee gekommen? Wir bekommen heraus, dass die Kassiererin im Lidl bereits für uns Werbung macht und Kunden nach einer Anhängerkupplung fragt. Ein paar anhaltende Autos später ist es dann so weit: Bei Marvins Golf passt alles und er nimmt uns gern bei seiner Heimfahrt in Richtung Göttingen mit. Wir feiern den großen Moment, jetzt geht es so richtig los. Allen Zweiflern und Kleingläubigen ist jetzt bewiesen: Yes, we caravan!

Marvin halbiert für uns seine gewohnte Geschwindigkeit und wir tuckern mit gemütlichen 80km/h bis zur Raststätte bei Göttingen. Dort positionieren wir uns und hissen die Fahne, das Wartespiel beginnt erneut. Auf einem solchen Parkplatz kann man eine erstaunliche Menge Menschen in kurzer Zeit kennenlernen: Florian „Holzi“ gibt uns zwei Burger aus, wir bekommen Kekse geschenkt und eine weitere Dame ruft mehrfach bei ihrem Mann an, um sich über die Versicherungssituation bei Fahrt mit Anhänger zu erkundigen. Es dämmert bereits, als Martina für uns anhält. Sie ist mit einem ausgebauten Vito in Richtung Karlsruhe unterwegs. Schnell sind wir fahrtbereit und kommen noch bis Gießen, wo wir weit nach Mitternacht Spinat, Ei und Nudeln verputzen. Dann geht’s zum ersten Male in die neuen Kojen.

Die Nacht ist laut und am nächsten Morgen ist die Burg aus Lastwagen um uns bereits verschwunden. Zusammen mit Martina fahren wir weiter, in Speyer machen wir einen kurzen Abstecher zum Dom. An der Raststätte Hockenheim heißt es dann Ade, es scheint fast als wollte Martina uns gar nicht gehen lassen.

Hier treffen wir bald Julia und Niko, die leider nur ein Stück in Richtung Osten fahren, aber wir entschließen uns, jeden Kilometer, der sich bietet, anzunehmen. So kommen wir am späten Nachmittag an der Raststätte Kraichgau Süd an.

Hier herrscht leider totale Flaute. Der Parkplatz ist zumeist wie ausgestorben und es ist uns schleierhaft, wie sich das Restaurant lohnen kann. Erste Zweifel kommen wieder bei uns auf, aber wir bleiben dabei: Mit Geduld wird es schon. So bleibt dies unsere letzte Station an diesem Tag und wir fallen – sogar zu müde für ein richtiges Abendessen – bald ins Bett.

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7 Kommentare

  1. Dani · Juni 13

    War nett euch kennengelernt zu haben… hat Spaß gemacht! Gruss Dani (Blauer T3 😉

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    • donaufahrt · Juni 13

      Das Kompliment können wir nur zurückgeben 🙂 Super Gesellschaft! Und cooles Gefährt!

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  2. Die Vellmarers · Juni 13

    Na, da sind wir ja gespannt, ob einer anspannt.
    Viel Glück auf Eurer Tour.
    Wie sang schon Jannis Joplin? „Bobby thumbed a Diesel down, just before it rained….“

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    • donaufahrt · Juni 13

      … it rode us all the way to … Teheran

      Vielen Dank 😉

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  3. Die Vellmarers · Juni 14

    Na, da sind wir ja gespannt, ob einer anspannt.
    Viel Glück auf Eurer Tour.
    Wie sang schon Jannis Joplin? „Bobby thumbed a Diesel down, just before it rained….“

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  4. Toni · Juli 12

    Viel Spaß und Glück auf denn weg ,,
    Hat Spaß gemacht 👍👍👍👍
    Leider waren nur 100 km zusammenfahrt
    👍👍👍👍

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    • donaufahrt · Juli 12

      Danke für deine goldige Gesellschaft 😉 War uns ein Vergnügen, dich kennen zu lernen!

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